Person sitzt auf dem Boden und hält mit beiden Händen den Fußballen des rechten Fußes, der rot markiert ist.

Der Vorfuß

Erkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten

Hallux valgus, oder Ballenzehe, bedeutet die Abweichung der Großzehe nach außen, in Richtung bzw. über die Kleinzehen. Gleichzeitig wandert der 1. Mittelfußknochen in die entgegengesetzte Richtung nach innen in Richtung des anderen Fußes.

In Deutschland ist über eine Millionen Menschen davon betroffen.

Die meisten Betroffenen haben dadurch Beschwerden, mit Schmerzen bei Belastung bzw. in Ruhe, oder auch Problemen im Schuh.

Mit der Zeit schreitet die Fehlstellung voran, bei einigen sehr langsam, bei einigen rasch.

Die Ursache ist häufig genetisch bedingt, es kann aber auch im Rahmen von anderen Erkrankungen wie bspw. Rheuma auftreten.

Bei Beschwerden macht es Sinn, einen Arzt aufzusuchen.

Im Rahmen der Vorstellung wird zunächst eine Untersuchung durchgeführt, im Anschluss daran kann ergänzend eine Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchung erfolgen. Dadurch kann die Erkrankung in verschiedene Stadien eingeteilt werden:

 

Die Therapie der Erkrankung ist in der Regel konservativ, allerdings kann es dadurch nicht zu einer Rückbildung der Fehlstellung kommen. In vielen Fällen können die Beschwerden dennoch gelindert werden.

Die konservative Therapie beinhaltet eine Anpassung des Schuhwerks, Einlagen, ergänzend Hilfsmittel wie bspw. Lagerungsschienen/Tapeverbände oder Silikonspreizer und Krankengymnastik.

Sollte die konservative Therapie erfolglos sein, kann bei entsprechenden Beschwerden eine Operation erwogen werden.

Dabei stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Man unterscheidet gelenkerhaltende und gelenkersetzende Techniken.

Die folgenden Röntgenbilder illustrieren 2 mögliche Verfahren:

Vorher
Nachher
Vorher
Nachher

Die Nachbehandlung erfolgt mit einem Spezialschuh bzw. Spezialstiefel, i.d.R. für 6 Wochen. Je nach Operationsverfahren ist eine Teilbelastung für mehrere Wochen mit medikamentöser Thromboseprophylaxe erforderlich.

Nach der Operation muss man mit einer Schwellneigung des operierten Fußes für mehrere Monate rechnen. Üblicherweise passt der Fuß in dieser Phase nur in weiche und weite Schuhe.

Hierdurch kann auch ein mehrmonatiger Arbeitsausfall, je nach Tätigkeit (bspw. bei notwendigen Arbeitssicherheitsschuhen), entstehen.

Vor einem operativen Eingriff erfolgt eine ausführliche Aufklärung mit Eingehen auf mögliche Risiken und Komplikationen. Die Komplikationsrate für schwere Komplikationen wird in der aktuellen Literatur mit etwa 5% beziffert (Sieloff MR et al., J Foot Ankle Surg 2023; Trnka HJ et al., Foot Ankle Clin 2022).

Die Arthrose des Großzehengrundgelenks ist häufig einseitig und tritt meist schon im jungen Erwachsenenalter auf. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch eine Verbreiterung des Gelenks mit starken knöchernen Anbauten, die v.a. die Abrollfähigkeit des Fußes limitiert und schmerzt. Auch können die knöchernen Anbauten zu einem schmerzhaften Schuhkonflikt führen.

Konservative Behandlung

Konservativ kann mit einer speziellen Schuhzurichtung und Einlagen mit „Rigidusfeder“ gearbeitet werden, um die Beschwerden zu lindern. Ist die Arthrose nicht zu weit fortgeschritten, können auch Infiltrationen, bspw. mit Hyaluronsäure, Eigenblut oder Corticoiden, eine Beschwerdeverbesserung bringen.

Operative Behandlung

Sollten diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, empfehlen wir in Abhängigkeit des Stadiums der Arthrose und Ihres individuellen Leistungsanspruchs einen entsprechenden operativen Eingriff, den wir i.d.R. ambulant durchführen.

  • Cheilektomie – Erhalt des Großzehengrundgelenks: Bei Frühformen der Erkrankung kann durch ein „Modellieren“ und ggf. Anbohren der Gelenkflächen eine vermehrte Beweglichkeit und Beschwerdeverbesserung erreicht werden.
  • Versteifung des Großzehengrundgelenks – Arthrodese: Sollte ein gelenkerhaltender Eingriff nicht mehr möglich sein, empfehlen wir meist die Versteifung des Gelenkes. Hierbei verwenden wir eine winkelstabile Spezialplatte mit Zugschraube. Hierdurch wird ein stabiles Ergebnis erzielt und eine frühe Knochenheilung gewährleistet. Entgegen der langläufigen Meinung büßt der Patient hierdurch nur wenig Beweglichkeit im Fuß und der Abrollfähigkeit ein.
  • Endoprothetischer Ersatz des Großzehengrundgelenks – Prothese: In sehr seltenen Fällen kann auch eine Prothese sinnvoll sein. Hierzu beraten wir Sie gerne individuell.

Hier handelt es sich um Fehlstellungen der „Langzehen“ mit teils schmerzhafter „Hühneraugenbildung“ und Problemen beim Tragen von geschlossenen Schuhen.
Häufig liegt eine komplexe Vorfußdeformität zugrunde, weitere Ursachen können jedoch auch neurologische Erkrankungen, Traumafolgen oder das Tragen von ungeeignetem Schuhwerk sein.

Wird das Problem frühzeitig erkannt, kann durch entsprechende Physiotherapie und Eigenübungen sowie die Rezeptierung einer passenden Einlage ein für den Patienten zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden.

In fortgeschrittenen Fällen kann durch meist kleine operative Eingriffe an den Sehnen bzw. Knochen die Deformität korrigiert werden.

Meist treten im Rahmen einer Spreizfußdeformität Fehlstellungen der kleinen Zehe auf. Hierbei kommt es zu Schmerzen am „Kleinzehenballen“ und einer Abweichung der Kleinzehe nach innen.

Bei moderaten Beschwerden ist häufig eine Einlagenversorgung mit retrokapitaler Pelotte und breites Vorfußschuhwerk ausreichend. Bei fortdauernden Beschwerden hilft ein meist kleiner Eingriff, den wir ambulant durchführen und eine Vollbelastung im Spezialschuh erlaubt.

Hier bestehen Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen, v.a. unter Belastung. Meist bilden sich unter den Mittelfußballen starke Schwielen. Zugrunde liegt hier häufig ein Spreizfuß, der im Rahmen vieler unterschiedlicher Ursachen bestehen kann. Eine konservative Therapie mit speziellen Einlagen nach Durchführung einer Pedographie (Fußdruckmessung) ermöglicht meist eine Beschwerdefreiheit. Erst bei therapieresistenten Beschwerden besteht die Möglichkeit einer operativen Korrektur. Hier wird i.d.R. der Mittelfußknochen gering verkürzt, das Mittelfußköpfchen angehoben und mit einer Mini-Schraube minimal-invasiv fixiert (sog. Weil-Osteotomie).

Es besteht eine schmerzhafte Verdickung der Nervenscheide des Zwischenzehennerven, der zwischen den Mittelfußknochen komprimiert wird. Nach entsprechender Diagnostik führen wir meist eine Infiltration mit Lokalanästhetikum und einem Cortikosteroid durch. Sollten hierdurch die Beschwerden nur unzureichend gebessert bleiben, empfehlen wir die operative Entfernung des Neuroms, um die Schmerzen dauerhaft zu beheben.

3D Ultraschall eines Vorfusses

Wie erwähnt, führen wir die allermeisten Vorfußkorrekturen ambulant durch. Durch die Anlage eines „Nervenblocks“ („Lähmung des Unterschenkelnerven“) verlaufen die ersten Tage nach OP, auch zuhause, ohne wesentliche Schmerzen! Auch die Mobilisierung kann dank moderner Fußentlastungsschuhe zügig bei Ihnen zuhause stattfinden.

Allgemeiner Hinweis:
Diese Informationen sind allgemeiner Art. Sie wurden auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse erstellt. Diese Informationen gelten nicht für jeden einzelnen Patienten und können nicht das persönliche Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt ersetzen, in dem die für Sie persönlich geltenden speziellen Umstände und die damit verbundenen Risiken und Einschränkungen ausführlich erläutert werden.